Schachclub 90 Niesky Schachbrett  
 
 
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Schachweltmeisterschaft 2004
Tagebuch von Jonas Dünzel
 
Datum Zeit    

01.11.2004 22.00    
Ein HERZLICHES WILLKOMMEN allen Lesern auf der neuen Internetseite vom Schachclub 90 Niesky !


Als Erstes berichten wir von der Weltmeisterschaft der Schachjugend 2004 in Griechenland.
Unser Nachwuchsspieler Jonas Dünzel nimmt an diesem Großereignis auf der Insel Kreta teil. In der Zeit vom 3.-13.11.2004 werden die Spieler 11 harte Runden bestreiten. In Jonas Altersklasse der unter 10jährigen (BOYS U10) sind 130 Teilnehmer gemeldet.
Jonas wird seine Erlebnisse und Eindrücke der Reise hier täglich in Form eines Tagebuches darstellen. Selbstverständlich wird er über all seine Spiele berichten. Aber auch Wissenswertes über seine Gegner werden wir hier zusammentragen.
Auf der offiziellen Internetseite der WM sind die Ansetzungen, Resultate und Tabellen aller Deutschen Teilnehmer nachzulesen
www.greekchess.com/wycc2004/wycc04.html


Nun gilt es für Jonas: AUF NACH GRIECHENLAND ZUR WM !
Viel Erfolg - wir drücken Dir fest die Daumen


04.11.2004 15.50    
Das Turnier beginnt ...
Am Dienstagabend sind wir als Deutsche "Vorhut" wohlbehalten in unserem Hotel CRETA MARIS angekommen.
Der Hauptteil der Deutschen Spieler hatte bei der durch die DSJ organisierten Anreise weniger Glück, da sie nach extrem langer Wartezeit in Athen erst in der Nacht um 02.15 Uhr völlig schlaftrunken in unserem Hotel ankamen. Wenn man dann am gleichen Tag spielen muss, sind das nicht die besten Voraussetzungen für einen guten Start...!
Fast alle Mannschaften sind zusammen in dem super *****Hotel CRETA MARIS untergebracht. Die Luxusanlage ist großzügig angelegt und bietet viele Möglichkeiten zur aktiven Freizeitgestaltung.
1004 Kinder aus 78 Ländern werden zu dieser Weltmeisterschaft erwartet. Es ist ein riesiges Gefühl, im Hotelkomplex Kinder aus allen teilen der Welt zu treffen. Jeder versucht sich mit jedem zu unterhalten: Wie heißt du, woher kommst du, wie viel Punkte... . Turniersprachen sind Englisch und Russisch.
Man kommt sich wie in einem richtigen "Olympischen Dorf" vor !
Die Spielbedingungen in dem gut klimatisierten Kongresszentrum im Hotel sind optimal. Alle ca. 600 Jungen spielen zusammen in einem riesigen Konferenzraum (AK 10,12,14,16 und 18).
Im gleichen Komplex werden die Mädchen in 2 weiteren Konferenzräumen ihre Spiele ausgetragen.
Mein erster Gegner ist der Israelische Jugendmeister Dani Svoisky.
Das Interessante ist, dass wir beide heute Vormittag zusammen noch Tischtennis gespielt haben. Daher kennen wir uns also schon.
Ich werde in der Schachpartie die schwarzen Steine führen.
Im Spielsaal sind die Tische in Reihen zu je 20 Schachbrettern aufgebaut, die nur durch einen Gang für die Schiedsrichter getrennt sind. Nur an den Außenseiten können Besucher das Geschehen direkt verfolgen.
Da ich heut fast in Gangmitte sitze, hat mein Vater keinen Einblick auf mein Schachfeld.
Heute um 16.10 Uhr hat die Schachweltmeisterschaft 2004 begonnen !

04.11.2004 20.10    
.... für mich mit einer Niederlage
Schade, ich hatte zwar am Tage das Tischtennisspiel gewonnen, musste mich jedoch im Schach nach 2 Stunden und 24 Minuten den Angriffen des israelischen Spielers geschlagen geben.
Nun wird das Spiel wie üblich mit dem Trainer Herrn Bindrich analysiert.
Das Hoffen auf Morgen hat begonnen ! Die Auslosung für die 2. Runde erfolgt erst am späten Abend. Mir ist dabei der Gegner egal, solange er nicht aus Deutschland kommt !
Auf Sachsenduelle bei der WM kann ich gern verzichten.

05.11.04 16.55    
2. Runde
Nach der Auftaktniederlage bereiteten wir uns intensiv auf einen "karibischen" Gegner aus Puerto Rico mit dem langen Namen Sato Munoz Shazer Antonio vor. In unserem Laptop war über ihn nichts zu finden. So wurde ich vom Trainer auf verschiedene weiße Eröffnungen vorbereitet.
Kurz vor dem Spielbeginn unterhielt sich mein Vati mit dem Betreuer des Gegners. Er sagte, dass der Junge bei einer Meisterschaft der unter 14-jährigen dem Verband aus Puerto Rico aufgefallen war und somit zur WM eingeladen wurde.
Nach 30 Minuten Spielzeit (auch diesmal war aus der Ferne nichts vom Spiel zu erkennen) gingen Herr Schätz und mein Vater einen Kaffee trinken.
Als Vati danach den Schachsaal betrat, waren beide Spieler aus dem Saal verschwunden.(?!)
Der auf dem Brett stehende W E I S S E König verriet ihm, dass ich nach 40 Minuten Spielzeit meinen ersten Sieg bei dieser WM eingefahren hatte.
Die Analyse zeigte die konzentriert energische Leistung , der grobe Fehler des Gegners allerdings noch zu gute kamen.
Nun haben wir zusätzliche Zeit für das Schwimmbad.
Die Vorbereitung auf die morgige Doppelrunde, die um 8.30 Uhr beginnt (Nieskyer Zeit) wird heute Abend nach dem Abendbrot erfolgen.
Aber jetzt wird sich richtig entspannt.
Erste Glückwünsche aus der Heimat habe ich per Telefon schon erhalten.

06.11.2004 12.00    
3. Runde
Gestern inszenierten die griechischen Götter für meinen ersten Sieg ein Festival von Blitz, Donner und Dauerregen. Und als mein Vati sich zum späten Abend mit anderen Betreuern den EINEN Ouzo gönnen wollte, wurde ich vom Gewitter wach und "beorderte" ihn per Handy auf mein Zimmer. Er fand das gar nicht so cool, brachte dafür aber die Auslosung von Runde 3 mit.
Diesmal kam es zum Nachbarschaftsduell mit dem Prager Jungen Plat Vojtech. Sein Nationale Wertzahl beträgt immerhin 1850 Punkte.
Der Tscheche machte mit weiß von Anfang an ordentlich Druck, aber meine Abwehr stand sicher. Im Verlauf des Spieles verbesserte sich meine Stellung langsam. In konzentrierter Sitzhaltung (Herr Richter würde mit der Zunge schnalzen) und ohne durch die Gegend zu laufen (das glaubt Mutti nie!) kämpften wir 2,5 Stunden lang. Da keiner den richtigen Gewinnplan fand, willigten wir am Ende in ein Unentschieden ein.
Mit Abstand der Analyse war ich nach dem 25. Zug ein klein wenig zu passiv. Aber über dieses Unentschieden kann ich mich trotzdem freuen.
Nun geht's zum Entspannen und ab 15.30 Uhr wartet der nächste Gegner auf mich... .
Ein Ausruhen mit 1,5 Punkten gibt es nicht.

06.11.2004 20.00    
Runde 4
Die Zeit zwischen den beiden heutigen Runden nutzten wir zu einem ausgiebigen Spaziergang auf der Strandpromenade unseres Ferienortes.
Dort wo sich im Sommer das Leben nur so abspielt ist es leer, die letzten Liegen wurden weggeräumt, die Lampenketten entfernt und die Tavernen verrammelt.
Wir mussten feststellen, sprichwörtlich die "letzten Kunden" in einem kleinen Supermarkt gewesen zu sein. Dieser Laden hatte eigentlich schon Saisonschluss-Inventur. Liebes Fragen und erzählen, was uns im November hier her verschlagen hat, brachte uns dann doch die Zusatzration an Trinkflaschen für die nächsten Spiele.
Das Hotelessen sollte eigentlich nebensächlich für Schachspieler sein. Hier ist es jedoch perfekt und super auf uns Kids abgestimmt.
Nun zu Runde 4: Ich durfte mich auf einen Slowenen "freuen". Meine weiße Eröffnung störte er erheblich mit einer seltenen Gambitvariante. Das schien von langer Hand vorbereitet. Aber ich fing mich und tauchte wieder auf, kam in das Spiel zurück. Initiativreich drang ich mit der Dame in des Gegners Stellung ein, der König flüchtete auf der Außenlinie ... .
Da dachte Jonas an den berühmten Trainerspruch : "Wenn man einzügig Mattsetzen kann, dann sollte man es jetzt auch tun" - und der Gegner fasste sich an den Kopf und sagte "XXXX" (wahrscheinlich gibt es in Slowenien auch SOLCH Wort dafür).
Mit diesem bisherigen Erfolg der 2,5 Punkte aus 4 Spielen möchte ich mich bei allen bedanken, die mir die Reise hierher ermöglichten: meiner Familie, meiner Schule für die Freistellung und allen 38 (!!!)Sponsoren. Besonders Siegfried und Andreas Richter Dank für die Sponsorensuche. Keinem weiteren Kind ist es gelungen, auch nur annähernd so viele Unternehmen für eine Unterstützung der WM zu gewinnen. DANKE.

07.11.2004 24.00    
Runde 5
Die 5. Runde bescherte mir mit Robin van Kampen das berühmt-berüchtigte Duell Deutschland : Holland !
Vor dem Match tauschten wir gegenseitig kleine Gastgeschenke aus. Ich überreiche dabei jedem meiner Gegner eine Niesky-Postkarte, ein Heftchen vom 6-Städtebund und eine Schokoladenmaus. Viele Gegner machen das ähnlich.
Das heutige Spiel sollte mit 2 Stunden und 50 Minuten ein echter Dauerbrenner werden.
Fast 3 Stunden musste aber auch mein Vati an der "Bande" aushalten.
Was macht er eigentlich in dieser Zeit alles ?
1. DAUMENDRÜCKEN - im MUH Rothenburg gibt's einen guten Handchirurgen.
2. GRIECHISCHEN KAFFEE trinken, um aus dem Satz das (glückliche) Resultat zu erlesen
3. HANDELN BEIM BÜCHERKAUF. Gebrochenes Russisch sparte 6 EUR !
4. ERZÄHLEN mit gegnerischer Mutter - Robin spielt täglich 2 Stunden Schach !
5. ZEITGEFÜHL verlieren. Man denkt hier nur "2." ," 3." oder "4." Runde, Einzel- oder Doppelrunde... . Klappt es mit dem Datum noch, so geht insbesondere das Gefühl für den Wochentag verloren. Gefragt, ob Sonntag sei, sichert man sich am liebsten mit dem Telefonjoker ab. Pfiffige Videotextleser sagen aber auch prompt "Sonntag, denn gestern haben die BAYERN gewonnen ;-) !"
Robin erwies sich im Spiel nicht als holländischer Blumenkavalier. Aber ich passte auf, dass sich seine 16 "Tulpenzwiebeln" nicht richtig entwickeln konnten.
Nach fast 3 Stunden stellten wir und danach das Schachcomputerprogramm FRITZ fest, dass es 2 SIEGER mit je einem HALBEN Punkt gibt.
Mit meiner WM Zwischenbilanz mit 3 aus 5 grüße ich meine Heimtrainer !!!

08.11.2004 19.20    
Runde 6
Die 6. Runde sollte mich heute gegen einen Spieler aus Zentralasien zusammenführen.
Vakhidov Jakhongir ist der Meister von Usbekistan. Er ist 10 Jahre alt und wohnt in der mittelasiatischen Stadt Samarkand.
Das Spiel verlief die ersten 1,5 Stunden in sehr geordneten Bahnen. Dann holte der kleine Jakhongir wie Aladin die Wunderlampe hervor und verleitet mich zu Tc2, wobei mich doch Tc1 gerettet hätte... . Somit war der Traum von Tausendundeiner Nacht für mich leider ausgeträumt.
Morgen haben wir hier Ruhetag. Das soll heißen wir sind spielfrei, werden je nach Wetterlage KNOSSOS und Heraklion besuchen und uns intensiv auf Runde 7 vorbereiten. Versprochen !!!

10.11.2004 24.00    
Runde 7+8
Der Ausflug nach Heraklion und der Besuch der Ausgrabungsstätte Knossos wurden von herrlichem Wetter begleitet. So kamen wir auf andere Gedanken und hatten für freie Speicherkapazität in Vorbereitung der heutigen Doppelrunde gesorgt.
Der erste Gegner des Tages war der slowakische Jugendmeister Josef Straka. Von Beginn an setzte er mich unter Druck, aber ich stand in der Verteidigung gut und sicherte somit nach fast 3 Stunden mein verdientes Remis.
Der Nachmittagsgegner Nikita Meskovs stammt aus der Stadt Riga. Aus Lettland kommen viele sehr gute Schachspieler, sodass ich von meinem Trainer hinlänglich gewarnt war.
Das Spiel verlief dann auch in einem scharfen Stiel mit vielen taktischen Motiven, aber keiner schien einen vollen Erfolg realisieren zu können. Somit trennten auch wir uns unentschieden.
Ich feierte meinen 4. Punkt, der gleichbedeutend mit der angestrebten 50% Marke ist.
Die Spielanalyse möchte ich hier am liebsten weglassen.
Zu meinem Entsetzen zeigte mir Herr Bindrich, wie einfach ich im 29. Zug durch "en passant"-Schlagen eines Bauers in eine deutliche Vorteilstellung gekommen wäre. Schade und ärgerlich, aber am Brett sieht manches anders aus.
Für Aufmunterung am Abend sorgte ein 14jähriger Südafrikaner.
Er setzte sich im Stiele eines Bettlers direkt vor dem Speisesaal. Die Jacke über den Kopf gezogen, einen Teller vor sich stehend hielt er ein Pappschild in der Hand:
NO MONEY
NO FRIENDS
NO POINTS
PLEASE HELP
(kein Geld- keine Freunde- keine Punkte- bitte helft)
Alles lachte und er freute sich über ein Extra-Taschengeld.

11.11.2004 20.30    
Runde 9
3 Runden vor Schluss der WM setzen wir zum Endspurt ein. Mit gutem Gefühl, dass meine Kondition und Konzentration reicht, ging ich in die 9. Runde .
Mein Gegner kam aus Argentinien, er wohnt dort in dem Bezirk Chaco. Die Stadt in der Julio lebt heißt Resistencia.
Im Vorfeld erfuhr mein Trainer, dass der Argentinier ein starker Weiß-Spieler ist. Bei der WM hatte er bisher alle seine 3 Partien mit dieser Farbe gewonnen. Außerdem erahnten wir eine d4-Eröffnung.
Das Spiel sollte zeigen, dass Herr Bindrich Recht behalten sollte!
Gut drauf eingestellt, ging der Kampf los. Die extrem scharfe Stellung zog sich insgesamt 3 Stunden und 15 Minuten hin. Scheinbare Stellungsvorteile des Gegners wurden durch seine relative Zeitnot kompensiert (90 Minuten+30 Sekunden pro Zug). Des Weiteren erinnerte ich mich an den Spruch : "Entweder Du stirbst im Spiel schnell oder langsam", fand den alles verwirrenden Zug und zwang den Gegner damit, durch ein Dauerschach in wohl etwas besserer Stellung remis zu spielen.
War Herr Bindrich mit dem schnellen Unentschieden von gestern nicht ganz so zufrieden, gratulierte er mir zu dieser Super-Kämpfereinstellung.
Somit bleibe ich mit nunmehr 4,5 Punkten aus 9 Spielen auf meinem 50% Kurs.
Die Vorschlussrunde morgen beginnt wie gewohnt um 15.30, am Sonnabend findet der Endkampf bereits um 8.30 Uhr statt. (kurzer Wechsel )

12.11.2004 19.00    
10. Runde
Die Rundenauslosung gestern am 11.11. führte mich mit der Startnummer 111 zusammen. Als ich erfuhr, dass sich dahinter der Russe Grigory Tkachev versteckt, jubelte ich. Endlich einen super starken Spieler aus Russland. Für mich DAS Traumlos !!!
Die Vorbereitung auf den Gegner verlief wie gewohnt mit Herrn Bindrich äußerst gewissenhaft.
Im Spiellokal unterhielten sich unsere beiden Väter. Nur gut, dass mein Vati mir nicht alle Informationen übersetzt hatte. Grigory kommt aus der 200 km südlich von Moskau gelegenen Stadt Tula. Er wird seit 5 Jahren täglich von seinem Vater trainiert, der die Norm eines Nationalen Schachmeisters besitzt.
Na egal, schließlich freute i c h mich auf das Spiel.
Nach 99 Minuten des Kampfes hatten wir durch ungleiche Läufer und die Abtauschvariante eine Remisstellung erreicht.
Mein Gegner bot mir das Remis an, ich habe nach langem Rechnen und Überlegen dann eingewilligt.
Draußen habe ich zu kurz und bündig zu meinem Vater gesagt: "Wie immer - remis".
5 satte Punkte stehen nun nach 10 Partien auf meinem Konto.
Einen lieben Gruß von Kreta nach Niesky und an alle, die meine Aufzeichnungen lesen . Bis morgen zum Endkampf.

13.11.2004 24.00    
11. Runde
Spielt man eine WM auf Kreta, so ist es wie in einem guten Drehbuch. Man bekommt in der Schlußrunde einen der Gastgeber zugelost.
Haralabos Skoulakis aus Griechenland sollte mich den ganzen Tag lang beschäftigten.
Stolz stand wie in den Runden zuvor meine kleine Deutschlandfahne als Standarte am Schachbrett. Da die Fahne keinen Sockel hatte, bastelten wir ihr aus einem Stück Hotelseife und etwas Alu-Folieeinen sicheren Standfuß.
Pünktlich um 8.30 Uhr begann die letzte WM Runde.
Ich spielte in schwarz und saß erneut für Zuschauer ungünstig 7 Bretter vom Rand entfernt.
9.30 Uhr lief das Spiel noch, auch 10.30 Uhr, auch 11.30 Uhr. Der Saal leerte sich.
Herr Bindrich fragte meinen Vater, ob ich eine neue Rekordzeit aufstellen wollte.
12.00 Uhr Bundesnachwuchstrainer Herr Vökler spricht vom Zugrekord von Jonas. Der Saal leert sich weiter.
12.30 Uhr, nun läuft das WM Endspiel glatte 4 Stunden. Im großen Turniersaal sind von 300 Brettern nur noch 4 besetzt. Eines davon ist meines. Nach wie vor können meine Betreuer weder die Stellung erkennen, noch die verbleibende Zeit auf der Schachuhr ablesen. Alle bangen um meine 50 % Marke.
Längst sind die Spiele unserer Altersklasse beendet. Unsere 2 Schiedsrichter der U10 haben sich neben unser Schachbrett gesetzt, um in der Endspielphase alles richtig beurteilen zu können.
Nach genau 4 Stunden und 4 Minuten und 68 Zügen standen wir plötzlich auf. Die WM 2004 war für mich beendet.
In typischer Handbewegung zeigte ich allen meinen waagerechten Daumen
- das bedeutete R E M I S !
Somit belege ich durch gute 5,5 Punkte (von oben) bei 130 Teilnehmern den 60. Platz in der U10m.
Mein Ziel, mich in der ersten Hälfte des Teilnehmerfeldes festzusetzen habe ich voll erfüllt und kann stolz nach Niesky zurückkehren.
Mit 7 Unentschieden bin ich Deutscher Remiskönig 2004 !
Der Landestrainer Herr Bindrich sprach heute von einem "hartumkämpften Unentschieden" in "Rekordzeit" und war insgesamt mit meinen Spielen bei der WM wohl zufrieden !
Zwischen dem Baden und Toben präsentierten wir uns den Betreuern zum Mannschaftsfoto.
Bei der begeisternden Abschlussfeier kam meine kleine Deutschlandfahne (ohne Seifensockel) noch zu großen Ehren.
Unser U16m Vize-Weltmeister GM David Baramidze und unsere WM 5. Melanie Ohme U14w nahmen das Deutschlandfähnchen zur Siegerehrung mit auf die Bühne. Dazu meine SUPER-Glückwünsche an Melanie und David ! Wir von der deutschen U10 standen ganz vorn an der Bühne und schauten mit großen Augen auf die neuen Weltmeister und Platzierten.
Abends kurz nach 22.00 Uhr wagte ich von einer kleinen Brücke aus einen letzten Sprung in den Hotelpool. Allerdings diesmal mit a l l e n Sachen! Alle Trainer und Betreuer die dies von der Bar aus beobachteten lachten, klatschten und freuten sich über meinen Mut. Zu Vati sagten sie, bleib ruhig und freue dich über diesen Tag... .
Tschüß sagt Euer Jonas.

Besucht bald wieder unsere Internetseite, die durch das Internet-Zentrum-Niesky weiter aufgebaut wird und vor allem von unserer Nachwuchsabteilung berichten wird.


  
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